„Bergbahn-Defekt“ bei der oberen Sektion der Jakobshornbahn, „Wir sind bei der ersten Fahrt oben nur 2m weit gekommen“, „Elektriker sind dran, aber wir wissen nicht wann es repariert ist“ – so wurden wir am 13. August an der Talstation begrüsst.

Nachrichten, welche man nicht hören will wenn man nach tagelangem Dauerregen heute bei perfektem Flugwetter mit 3 motivierten Passagiere samt zugehörigen Tandem-Piloten schnellstmöglich in die Luft will.

Was tun? Kurz überlegt, Windstationen geprüft, Autos beladen und Wechsel zur Parsenn-Seite. Mit den beiden Sektionen der Parsennbahn geht es aufs Weissfluhjoch, der ehemaligen Homebase der Schweizer Schnee- und Lawinenforscher vom SLF. Für einen Start muss hier die Windrichtung genau passen. Zu oft schon standen wir hier oben und mussten wegen schlechten Windbedingungen unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Heute passts, alles perfekt.

Im Gegensatz zu den schönen Almwiesen-Startplätzen am Jakobshorn starten wir hier über ein steiles Geröllfeld. Nach ein paar Metern wird es gleich wieder sehr flach, eigentlich lieben wir es genau umgekehrt. Dazu noch Bergbahnseile und Schneekanonen auf welche wir bei unserem Startlauf achten müssen und nicht zu vergessen die vielen spitzen Steine welche nur darauf warten unsere Füsse ins Stolpern zu bringen.
Hier bleibt kein Platz für Experimente.

Wo im Winter die Skifahrer die Aussicht geniessen und sich auf ihre ersten Schwünge nach der Bergfahrt von Davos vorbereiten legen wir unsere Schirme aus. Sofort laufen einige Zuschauer zusammen, welche uns zusehen und mit Fragen löchern.

Leinen sortiert, Passagiere instruiert, ein letzter Blick auf die Windfahnen, los geht’s: 1-2-GO!

Der Schirm kommt perfekt hoch nach 2 Schritten sind wir in der Luft.
Jetzt dem flachen Gelände in Richtung Höhenweg folgen. Unsere Ozone Swiftmax-Gleitschirme gleiten extrem gut. Ich bin immer wieder begeistert davon. Kein Wunder hat der Franzose Honorin Hamard zusammen mit seiner Freundin mit diesem Biplace-Modell den aktuellen Tandemweltrekord im brasilianischen Quixadá eingeflogen.

Wir geben uns heute aber mit einer kürzeren Strecke über die Schatzalp, Davos und zum Landeplatz am Bolgen zufrieden. Schon beim rausfliegen über das Dorftäli spüren wir immer wieder kleine Thermikblasen die uns sanft nach oben tragen und unseren Gleitwinkel stark verbessern.

Flug über die Schatzalp

Am Fuss des Schiahorns zieht die Thermik unter den Wolken dann mit 3-4 Metern pro Sekunde richtig schön nach oben durch und wir können weitere Höhe gewinnen. Beim Kreisen sehe ich, dass auch Fabio und Roger in der Luft sind.

Jetzt die Steuerleine übergeben. Meine Passagierin ist jetzt pilot in command. Sie fliegt zwei Kreise, danach steuert sie hoch über Davos zur andern Talseite. Brav folgt der Schirm den Inputs meiner Passagierin und wir kommen hoch über dem Landeplatz neben dem Landwasser an.

Schon vor dem Flug hat mir meine Passagierin gesagt, dass sie auch gerne etwas dynamischere Manöver fliegen will. Yippie, Wing-Over, asymetrische Spirale und noch ein paar Umdrehungen in der Spirale. Die g-Kräfte machen uns richtig wach. Danach landen wir sanft auf der Wiese direkt vor dem Bolgen Plaza.

Auch die anderen Piloten treffen nach ein paar Minuten ein und wir alle sind der Meinung, es war super! Freue mich schon auf den nächsten Flug vom Weissfluhjoch. Aber jetzt ist erst einmal das Jakobshorn angesagt. Mittlerweile ist die Bahn repariert und die nächsten Passagiere warten bereits auf ihren Soaring-Flug vom Brämabüel.